»Für Nati, denn Gedanken beherrschen die Momente.«

Inhalt
Rückwärts
Ich gehe durch die schwarzen Straßen
den Blick geradeaus ins blanke Nichts
ich frage mich wann ich ankomme
in dem unberührten Kreis des Lichts.
Ich laufe durch tiefe Seen und das Meer
bin immer kurz vor dem Ertrinken
es kommt die Flut und fängt mich ein
aber ich werde niemals versinken.
Ich fange Berge ein mit einem Netz
und trage Steine in meinem stillen Herzen
sie ziehen mich hinab auf den Grund
dort in der Tiefe atmet der Schmerz.
Ich kann das Leben nicht vergessen
es hält so vieles unter Verschluss
man kann rückwärts von vorne beginnen
am Anfang kenne ich keinen Schluss.
Ich versuche die Gedanken zu maskieren
glaube alles auf einmal zu verstehen
so werde ich Gewesenes vergessen
und lerne am Ende das Goldene zu sehen.
kaltdummtaubstummblind
Bin ich denn blind, nur weil ich manchmal die Augen schließe
und ich möchte, dass man mich an die Hand nimmt und führt,
ich fest daran glaube, trotzdem auf dem richtigen Weg zu sein
und mir wünsche, dass etwas Unbekanntes meine Sinne berührt.
Bin ich denn stumm, nur weil ich bisweilen nichts sagen kann,
sich meine Sätze wie verrückt auf verschobenen Bahnen drehen,
die Worte nicht durch die Barriere der Gedanken kommen,
aber trotzdem weiß, jemand wird das Ungesagte verstehen.
Bin ich denn taub, nur weil ich hin und wieder nicht hören will,
mich jedoch ständig bemühe, auf mein Innerstes zu lauschen,
nicht immer verstehen kann, was ich mir selbst zu sagen hab,
und versuche, mich an dem Unerhörten lautlos zu berauschen.
Bin ich denn dumm, nur weil ich manchmal nicht begreifen kann,
wieso auch das Schwierige so einfach zu funktionieren scheint,
vieles sich manchmal (immer) wie ganz von selbst auflösen kann
und gerade die Unwissenheit auch Leichtigkeit mit sich vereint.
Bin ich denn kalt, nur weil ich zuweilen mein Herz verschließe
und weiß, dass doch schon kleinste Risse in der Mauer sind,
diese Risse mich aber zu dem machen, was ich am Ende bin,
so bin ich wirklich kaltdummtaubstummblind.
Sauerstoffzelt
Kann man bestimmen wann es anfängt wehzutun
den Zeitpunkt des einsetzenden Schmerzes speichern
lässt sich festlegen woraus die Einsamkeit besteht
wann die blauen Gedanken den schwarzen weichen.
Gibt es eine Formel womit es sich berechnen lässt
muss man nur die Augen vor dem Hellen verschließen
findet man heraus wovon alles immer abhängig ist
und lassen sich Gedanken wie Wasser ausgießen.
Wird man sich finden wenn man sich verloren hat
im Durcheinander der Ausflüchte den Weg nicht sieht
sich kleine Steine in die Sohle der Seele bohren
und man blind vor Schmerzen nur nach vorne flieht.
Soll man versuchen sich nur einmal um sich zu drehen
das Gesicht und das Dahinter der Sonne zustrecken
versuchen alle Unmöglichkeiten voll auszuschöpfen
alles Vergangene und Zukünftige anfänglich entdecken.
Will man wissen warum nichts immer nur einfach ist
sich das Verhalten zunehmend in viele Teile aufspaltet
das Selbst zu bestimmen zunehmend schwierig wird
und nur der Kopf und nicht das Herz Gefühle verwaltet.
Sind die Wärme und die Nähe nur etwas Verwischtes
von Anfang an dazu bestimmt wie Sand zu zerrinnen
auf die Dauer des Lebens und des Verstandes ungreifbar
doch ein Körnchen reicht um unser Tun zu bestimmen.
Die Hoffnung nur ein einziges Körnchen halten zu können
ist es das was uns am täglichen Leben und am Atmen hält
die Hoffnung darauf dieses Körnchen einmal zu finden
ist momentan mein ganz persönliches Sauerstoffzelt.
Komm lass uns fliegen
zusammen in die Freiheit
zusammen in die Ungewissheit
lass uns Neues entdecken
und Altes verwandeln
lass uns nicht vergessen
woher wir kommen
doch lass uns entscheiden
wohin wir fliegen
Komm lass uns sehen
zusammen das Unsichtbare
zusammen das Unscheinbare
das sich versteckt im Hellen
lass uns herausfinden
wer wir sind am Anfang
und was wir werden am Ende
doch lass uns entscheiden
was wir sehen
Komm lass uns suchen
zusammen das Unmögliche
zusammen das Undenkbare
das geboren wird aus Träumen
lass uns alles fühlen
wir wollen nichts verlieren
so bewahren wir uns die Realität
doch lass uns entscheiden
wie viel wir suchen
Komm lass uns warten
zusammen auf das Entstandene
zusammen auf das Vergangene
das uns einholen wird
lass uns damit beginnen
aufzuhören wann wir wollen
die Möglichkeit ist uns gegeben
doch lass uns entscheiden
wie lange wir warten
Sie sind Freunde von Anbeginn.
Entstanden aus Umständen.
Verbunden durch unsichtbare Linien.
Sie teilen ohne das Gefühl des Verlustes.
Sie geben ohne zu verlangen.
Sie nehmen ohne schlechtes Gewissen.
Die Gedanken werden gefühlt.
Es gibt keine Angst vor dem Aussprechen.
Das Jetzt wird intensiv erlebt.
Das Gewesene umwebt und festigt wie ein Netz.
Die Zukunft ist ungewiss doch die Freundschaft
ist.

